Mittlerweile ist das alles schon Routine für ihn. Und so sitzt Dr. André Borsche wieder einmal mit gepackten Taschen und Rucksäcken am Frankfurter Flughafen. Fast dreißig solcher Reisen hat er schon hinter sich, nach Indien, Nepal, Tschetschenien und Brasilien. Doch dieser Einsatz ist etwas Besonderes: Nur wenige Tage nach dem großen Erdbeben, das weit mehr als 220.000 Menschen das Leben gekostet hat, fliegt er nach Haiti, in eines der größten Katastrophengebiete weltweit.
André Borsche ist Chirurg aus Bad Kreuznach, Spezialist für plastische Operationen an Unfall- und Verbrennungsopfern. Für die Hilfsorganisation "Interplast", ein Zusammenschluss engagierter Mediziner, verbringt er seine freie Zeit ehrenamtlich in Krankenhäusern und Krisenregionen weltweit. Dieses Mal hat ihn die Hilfsorganisation "Luftfahrt ohne Grenzen" eingeladen, die in den Tagen und Wochen nach dem Beben schon 400 Tonnen an Hilfsmaterial in die Karibik gebracht hat. Aber Material ist das Eine: Helfer, Ärzte und Chirurgen wie André Borsche sind das Andere - das, was in einem zweiten Schritt dringend gebraucht wird.
Und auch darum fliegt Borsche nun nach Haiti. Eine Woche operiert der erfahrene Katastrophenmediziner und Entwicklungshelfer dort gemeinsam mit französischen Kollegen in der Hauptstadt Port-au-Prince. Was ihn vor Ort erwartet, kann er nicht vorhersagen. Er hat alle Utensilien für einen Campingaufenthalt eingepackt: Schlafsack, Isomatte, Nahrungsmittel, Wasser. Nur so viel weiß er: Betten gibt es nicht mehr. Er muss in einem Camp schlafen und tagsüber operieren.
"Leben live" - Reporter Edgar Verheyen hat André Borsche mit seinem Kamerateam nach Haiti begleitet.